Sonntag, September 26, 2021
Barfuss-zum-Mond

Torres del Paine Nationalpark – 5 Tage in der Wildnis!

 

Schon zwei Stunden auf die Fähre nach Feuerland wartend, entschieden wir uns dann doch dagegen. 1.200 km extra, die gleiche Landschaft, ein Nationalpark mit Wanderwegen nur bis zu 30 Minuten, Bus- und Flugzeugtourismus wogen in unseren Augen schwerer als der zweifelhafte Ruhm, bis zur südlichsten Stadt der Erde – Ushuaia – vorgedrungen zu sein. Dennoch fiel uns die Entscheidung schwer, irgendwie sind doch alle Reisende Trophäenjäger.

IMAG0210So scherten wir aus der Warteschlange aus und begaben uns auf die Strasse nach Punta Arenas, der südlichsten Kontinentalstadt der Welt (hip hip hurra, doch ne Trophäe). Dort angekommen, wurden wir gleich mit einer harten Realität konfrontiert. Diese Stadt liegt in Chile, von den vergleichsweise paradiesischen Preisen Argentiniens fehlte jede Spur. Die erste (und einzige) Übernachtung in einem Hospedaje, einer Zimmer Frei-Privatunterkunft, kostete gleich mal 20 €. Entsprechend kurz war unser Aufenthalt in der „schönsten Stadt Patagoniens“, in der die Nachkommen von Einwanderern aus nahezu allen europäischen Ländern leben. Viele alte Kathedralen und Stadthäuser prägen das Stadtbild rund um die Plaza de Armas. Der Einfluss europäischer Architektur ist überall zu sehen. Spiegelbild der Gegensätze ist wieder einmal der Friedhof. Hier wechseln monumentale Grabeshallen aus Marmor mit löwenzahnüberwucherten Reihengräbern.

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Parque National Torres del Paine, so lautet die offizielle Bezeichnung für einen der wohl aufregendsten Nationalparks Südamerikas. An diesem Punkt trifft die weite Ebene Patagoniens auf die südlichsten Andengipfel, die steil wie Nadelspitzen bis zu 2000 Meter aus der Ebene emporragen. Die geeignete Kulisse für ein 5-Tage-Trekking. Das Auto ließen wir an einer Ranger Station zurück und machten uns mit jeweils 20 Kilo Gepäck beladen auf den Weg. Fast unsere komplette Ausrüstung hatten wir mitnehmen müssen, dazu Essensvorräte für 5 Tage. Zelt, Schlafsäcke, Inletts, Isomatten, Winterjacken, Fleece Jacken, Kocher mit Ersatzbenzin, Waschzeug, Handtuch, Töpfe, Besteck, Pullis, Socken etc., nie im Leben hatten wir damit gerechnet, dass das Zeug auf Dauer so schwer sein würde. Aber der Park ist bekannt für rasanten Wetterwechsel, unvermittelte Kälteeinbrüche, Sturm, Hagelschauer und Gluthitze, zuweilen alles an einem Tag. Man sollte gut ausgerüstet sein. Die Camps, in denen wir übernachteten, waren äußerst spartanisch, aber wenigstens immer in der Nähe einer Wasserstelle gelegen. Da wir nicht zusätzlich noch 30 Liter Wasser schleppen konnten, kochten wir regelmäßig Flusswasser ab. Als Grundlage für Kaffee und Brausegetränke (Pulver) war es o.k.

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Schon auf dem Weg in den Park konnten wir nur etwa 20 Meter über uns einen Kondor beobachten, der auf der Suche nach Beute über einem Feld kreiste. Kondoren sind mit bis zu 3 Metern Flügelspannweite die größten Raubvögel der Welt.

Zuerst wanderten wir durch eine flache, steppengleiche Landschaft, die steilen Gipfel mit den Spitzen aus Granit bereits im Blickfeld, dann am Ufer eines der vielen smaragdgrün schimmernden Gletscherseen entlang. Der folgende Aufstieg zum Gletscher Grey war zermürbend lang. Beim Anblick des Gletschers, aus einem See herausragend, waren alle Anstrengungen vergessen. Naturschönheiten wie diese hatten wir bis dato nur selten gesehen. Im Wasser vor dem Gletscher trieben blau-weiß schimmernde Eisblöcke, die aus der mehr als 30 Meter hohen Gletscherwand heraus gebrochen waren.

Im Valle Frances waren wir von mehreren, bis zu 3.050 Meter hohen Gipfeln umgeben, die sich nahezu senkrecht aus der Ebene erhoben. In tosenden Fällen saust hier das schmelzende Wasser nach unten, wo es sich dann in reißenden Flüssen vereinigt und die Gletscherseen füllt.

Das Wetter war so abwechslungsreich wie eingangs beschrieben. Zwar blieb die beißende Kälte aus, aber von kleinen Hagelschauern bis zur unerträglichen Gluthitze war jede Wetterlage vertreten. Am Ende hatten wir 91 km, das ist ungefähr die Strecke zwischen Aachen und Köln, zu Fuß mit vollem Marschgepäck zurückgelegt. Fazit: Eine abenteuerliche, abwechslungsreiche und unvergessliche (TOR)T(O)UR, nach der uns sämtliche Knochen und Glieder, bis dato bekannt oder unbekannt, schmerzten. Unsere Erinnerungen an diese Tage möchten wir um keinen Preis hergeben, zu vielfältig waren die Erlebnisse und Eindrücke.

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Wie man da hinkommt?

Ganz einfach. Von Buenos Aires nach Süden durch Patagonien, bis es nicht mehr weiter geht. Dann rechts ab nach Punta Arenas. Von dort den Schildern folgen.

Ist doch ein Klacks, oder?

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