Montag, März 1, 2021
Barfuss-zum-Mond

Hostel oder Hängematte?

Zu Beginn folgende überraschende Info: Die aufwendig beworbenen Reisebuchungsseiten wie expedia, reise.com oder check24 sind nicht die heiligen Quellen günstigen Wohnens auf Reisen.

Kundenfreundlicher wird es auf hihostels.com hostel.com, hostelbookers.com und hostelworld.com. Dort solltet Ihr recherchieren, um, sagen wir mal, einen Basispreis zu haben. Auch Reiseführer können bei der Suche nach günstigen Übernachtungen eine Hilfe sein. Der Lonely planet Reiseführer war einst die Bibel der Low Budget Reisenden, heute ist er im Mainstream der gängigen Reiseführer untergegangen und meines Erachtens nur noch bedingt empfehlenswert. Dennoch steht dort auch heute noch die ein oder andere preiswerte Bleibe drin. Die Reiseführer aus dem Stefan Loose-Verlag sind mittlerweile qualitativ an den Lonely planets vorbeigezogen, sie sind besser recherchiert, aktueller und einen Hauch individueller. Bei der Auswahl der empfohlenen Übernachtungen steht Qualität definitiv vor Preis, was uns Sparern am Ende nicht sehr viel weiterhilft.


Weitere Möglichkeiten, eine günstige Unterkunft an Eurem Lieblingsziel zu finden:


  1. Hört Euch in Foren und Facebookgruppen um, es gibt so unendlich viele Reisende, die Euer Reiseziel kennen und nur zu gerne Tipps hinsichtlich der besten Schlafoptionen weitergeben.
  2. Reist außerhalb der Hauptreisezeit, da sind Übernachtungen schon mal bis zu 50% günstiger.
  3. In jedem Falle handeln, ein paar Prozent sind immer drin, vor allem dann, wenn man vor hat, länger zu bleiben. Wochen- und Monatsmieten sind im Vergleich noch einmal deutlich geringer.
  4. Am Zielort von einem Resort/Hotel/Hostel zum nächsten gehen, fragen und handeln. Sprecht Reisende an, die Ihr dort trefft, sie werden Euch gerne von ihren Erfahrungen berichten.
  5. Teilt Euch ein Zimmer, der Zimmerpreis bleibt zumeist auch bei Mehrfachbelegung derselbe. Häufig ist ein geteiltes Doppelzimmer pro Nase auch nur unwesentlich teurer als ein Bett im Schlafsaal.

Die günstigsten Bleiben sind in der Regel „basic“ und bestenfalls sauber, zimperlichen Naturen empfehlen wir die nächst bessere Kategorie.


Keinen Bock auf Bezahlen – hier die (nahezu) kostenlosen Alternativen:


1. ZELTEN……

enge Unterkunft kostenlos am Strand, privat im Garten, in der freien Natur, im Hinterhof eines Hostels. Allerdings sollte man in der Lage sein, das Risiko, z.B. das eines nächtlichen Überfalls (oder eines Raubkatzenangriffs in Afrika), einzuschätzen, wenn man an einsamen Stränden oder in freier Natur fernab jeglicher Zivilisation campiert. Frauen ohne männliche Begleitung empfehle ich generell nur auf Campingplätzen, privaten Grundstücken, belebteren Stränden oder im Hinterhof eines Hostels das Zelt aufzuschlagen. Sollte man das Risiko nicht genau einschätzen können, würde ich immer eine sicherere Variante empfehlen. Meine Erfahrungen mit dem Leben im Zelt sind durchweg positiver Natur. Ob Inselresort oder Hostel, ein Fleckchen Grund für ein Zelt war immer da, in der Regel liessen die Betreiber uns kostenlos campieren, da sie auf Einnahmen durch Tourverkäufe oder Restaurantverzehr hofften. Die Gefahren beim Wildcamping in Australien und Asien sind überschaubar, der sicherlich größte Feind dort ist die zuweil die gnadenlose Hitze.


2. COUCHSURFING, inzwischen sehr beliebt…….

und das zurecht. Die weltweite Couchsurfcommunity wurde 2003 von Casey Fenton ins Leben gerufen. Unter der Domain couchsurfing.org können sich Gleichgesinnte registrieren und Reisenden auf Anfrage eine Couch (Bett ist auch erlaubt) für einen überschaubaren Zeitraum zur Verfügung stellen. Den angebotenen Service können sie dann weltweit auch bei anderen Menschen in Anspruch nehmen. Das ganze geschieht selbstverständlich auf freiwilliger Basis und immer nur nach Absprache der betreffenden Mitglieder. Offene Berwertungsprofile aktiver Couchgeber und -nehmer auf der Seite sorgen für das nötige Vertrauen im Netz. Der coolste Aspekt ist, die Übernachtungen sind für lau und man hat gleich nette Kontakte am Reiseziel.


3. HOUSESITTING

Fast jeder kennt irgendwen mit Ferienhütte im Portfolio. Bei einer grenzenlosen Bandbreite möglicher Vereinbarungen hinsichtlich von Gegenleistungen für die Nutzung sind hier für beide Seiten lohnenswerte Arrangements möglich. Ob Reinigungs-, Garten- oder Malerarbeiten, Wachdienste oder Haustierpflege, letztlich ist alles verhandelbar. Vielleicht gibt es die Hütte auch einfach so. Wer privat niemanden kennt, muss nicht verzagen. Es gibt Housesittingplattformen wie housecarers.com oder mindmyhouse.com. Ein wenig Vorarbeit ist hier schon zu leisten, denn schließlich muss man das Vertrauen der Hausbesitzer gewinnen. Also ran an die Plattformen und ein Profil hingezaubert, das die Kunden umhaut. Als Investition in einen Reisetraum ist das nicht zu viel verlangt, oder? Ein bischen handwerkliches Geschick sowie Kenntnisse in Gartenarbeit und Tierbetreuung sind sicher hilfreich, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Sehr wichtig ist, dass die Chemie zwischen Hauseigentümer und Housesitter stimmt. Das Beherrschen der Landessprache oder zumindest gute Englischkenntnisse sind bei der Verhandlung der Bedingungen für das bevorstehenden Housesitting und der Vermeidung von Mißverständnissen hilfreich. Zuverlässigkeit und gute Arbeit werden am Ende mit positiven Referenzen auf den Housesitterplattformen belohnt und geben zukünftigen Arrangements einen Kickstart. Eine tolle Sache, finde ich.


4. In der HÄNGEMATTE am Strand oder in freier Natur……

………zwischen zwei Bäumen.

Allerdings sollte die Hängematte guter Qualität sein und nicht ins Fleisch schneiden. Sonst wird es nix mit dem Schlafen. Alternativlos sowohl bei der Nutzung als auch beim Transport sind die Hängematten aus leichter Fallschirmseide. Abhängig vom Reiseziel sollten bei der Freiluftübernachtung wie auch beim Camping Nutzen und Risiko vernünftig und sachlich abgewogen werden.


5. Im AUTO, BULLI oder JEEP durch………

………..Australien, Afrika oder Südamerika. Es ist ein fahrendes Hotel ohne jeglichem Komfort, aber es ist vor allen Dingen eins – sieht man von den Benzinkosten ab – eine unschlagbar günstige Unterkunft.025 027

Dieser sechs Meter lange Toyota Hiace war sechs Monate lang unser Zuhause. Erstanden in Sydney für 2.500,– €.  Nach 20.000 km in Perth für 2.200,– € weiterverkauft. Kosten pro Nacht – nicht mal 2,– €. Sicher, hier ist zunächst einmal eine höhere Investition zu tätigen und das Risiko eines Teil- oder Totalverlusts durch Unfall oder technischem Infarkt ist sicher vorhanden, aber hey: „No risk no fun.“ Gerade in Australien lohnt der Kauf eines alten Japaners, da im Grunde jeder Hobby- und Hinterhofmechaniker einen Austauschmotor dafür besitzt und diesen auch kostengünstig montiert, sollte mal ein Motorschaden auftreten. Von den klassischen und ach so romantischen VW-Bullys rate ich ab, da die Boliden aus den 70ern ihre Motoren mit Fahrtwind kühlen, was im Outback nicht selten zur Überhitzung des Motors und in dessen Folge zu einem kapitalen Motorschaden führt. Die VW-Motoren sind jedoch landesweit nicht so inflationär verfügbar wie ihre japanischen Artgenossen und auch bei Weitem nicht so günstig.Für Südamerika gilt im Prinzip dasselbe wie für Australien, in Afrika ist allerdings ein Vorwärtskommen auf einer Langstrecke ohne Allradantrieb unmöglich. 

Wenn man bedenkt, dass die Kosten für Übernachtungen nicht selten mit 30% bis 50% der Tagesausgaben ins Gewicht fallen, so liefern diese Alternativlösungen ein nachhaltiges Sparpotential.