Freitag, April 16, 2021
Barfuss-zum-Mond

Massai Mara – Safari alternativ!!

 

KENIA ist vor allem bekannt wegen seiner Natur und der Tierwelt, diese wollten wir selbstverständlich sehen, noch bevor die Regenzeit beginnt.

Da Safaris extrem teuer sind, nahmen wir das Angebot unseres Gastgebers Philip gerne an, ihn in seinem angeblich aus 1993 stammenden Peugeot in den Massai Mara N.P. zu begleiten. Der Massai Mara N.P. ist der kenianische Teil der Serengeti (Name des Parks in Tansania) und ein Traum für alle Tierliebhaber. Auf dem Markt von Ngong besorgten wir alles, was für 3 Tage notwendig war, vom Kerosinkocher über Kerosinlampen bis hin zu Spagetti, Gemüse, Reis und Tomatensoße. Endlich hatten wir mal wieder die Chance, selber zu kochen. Nach 4 Wochen fast ausschließlich Reis, Bohnen, Ugali und spinatartigem Gemüse war dies wirklich ein Gedanke, der uns bereits jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.

Donnerstag Morgen ging es los. Wir bepackten den alten Schlitten, bei dem man unseres Erachtens Philip hinsichtlich des Baujahres kräftigst übers Ohr gehauen hat (’73 ist wahrscheinlicher als ’83) und starteten die 5-stündige Holperfahrt bis zum Eingangstor des Parks. Hier kamen uns unsere Studentenausweise wieder einmal zur Hilfe. Vom normalen Eintrittspreis in Höhe von US$ 30 per Person und Tag mussten wir nur ein Drittel bezahlen.

Die Landschaft war komplett anders als in den Ngong Hills – keine Hügel und Berge, dafür afrikanische Savanne mit vereinzelten Akazienbäumen!!

Schon nach wenigen hundert Metern konnten wir in der Ferne die ersten Massaigiraffen erkennen. Sie sahen von weitem aus wie unförmige Strichmännchen auf einer Kinderzeichnung. Ein viel versprechender Start. Philipp fuhr langsam, auch er war zum ersten Mal im Massai Mara Park und er wollte nichts verpassen. Kurz hinter einer Wegbiegung erblickten wir einen Elefanten, der unter dem kargen Blätterdach eines Akazienbaumes etwas Schatten gefunden hatte. Zeit sich selbst zu kneifen: Wir waren in der Serengeti, was für ein Traum!!!

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Es sollte noch besser kommen. Wir hatten beschlossen, den 20 km langen Weg bis zum Riverside Campground am Talek Gate zu fahren und dort unser Lager für die Nacht aufzuschlagen. Fast wären wir vorbei gefahren. Keine 2 Meter von der Piste entfernt lagen zwei Geparden träge unter einer jungen Akazie. Ein wenig verstört von den Geräuschen unseres Vehikels sprangen sie auf und wir dachten schon, sie würden das Weite suchen. Doch sie blieben stehen, schauten uns an, rissen warnend ihre beängstigenden Kiefer auf bevor sie es sich wieder auf ihrem Schattenplatz bequem machten und uns keine weitere Beachtung mehr schenkten.

Nur wenige Meter vor dem Talek Gate bogen wir noch einmal links ab, da wir eine Giraffe ganz in der Nähe gesehen hatten. Wir stoppten den Wagen, da wir das schöne Tier ganz ohne störende Motorengeräusche genießen wollten. Leider hatte unser Auto beschlossen, das es keine Lust mehr auf die staubigen, buckeligen Pisten mehr hatte und trat in einen hartnäckigen Streik. Nichts half mehr, kein Rütteln an den Kabeln, kein Klopfen auf den Motor und auch kein Anschieben. Als wir nicht mehr weiter wussten, kam glücklicherweise ein Polizeijeep mit 5 Insassen angefahren. Zunächst machten sie uns darauf aufmerksam, dass eine Herde Elefanten im Anmarsch sei und fast sicher den Weg nehmen würde, auf dem unser bockiger Wagen stand. Das bedeutete, wir mussten so schnell wie möglich dort weg. An Philipps Abschleppseil zogen sie uns bis 100 Meter vor das Gate – dann riss es ab.

Der aus dem angrenzenden Dorf geholte Mechaniker guckte genauso dumm auf den Motor wie wir zuvor. Ein Rütteln hier, ein Klopfen dort, anschieben – nichts half. Zwei Stunden später bot sich ein netter Jeepfahrer an, uns und unsere Ausrüstung zum Campingplatz zu chauffieren, während Philipp und der selbsternannte Mechaniker die Rostlaube ins Dorf zu einem anderen Mechaniker schoben.

Der Campingplatz war richtig nett, er ist seit Generationen im Besitz der Massai. Die in rot karierte Tücher gewickelten und mit riesigen Ohrlöchern ausgestatteten Männer begrüßten uns herzlich und halfen sogar beim Aufbau der Zelte. Sie erklärten uns, dass sie nachts vor unseren Zelten Wache halten würden, um gegebenenfalls diese vor streunenden Tieren zu schützen. Der Zeltplatz ist nicht umzäunt, für Elefanten, Büffel, Nilpferde und andere Großbewohner der Savanne ist ein Zelt kein Hindernis. Eine gute Idee, wie sich später herausstellte. Einige der vorgenannten Schwergewichte wollten tatsächlich in der Nacht den Campingplatz durchqueren, die Massai verscheuchten sie, bevor sie den angrenzenden Fluss überquert hatten.

Der Sternenhimmel war wieder einmal traumhaft. Wie mit Millionen Diamanten bestückt, funkelte der Nachthimmel auf uns herab, während wir mit John und Daniel – Massai haben in der Regel einen Massainamen und einen britischen Namen – am Lagerfeuer saßen und gespannt auf die Geräusche lauschten und sie uns von ihnen erklären ließen. Etwa um 22 Uhr tauchte Philipp dann mit der Nachricht auf, dass unser Feuerschlitten immer noch keine Anstalten gemacht hatte, wieder zu starten – vielleicht morgen!!!

Ein spektakulärer Sonnenaufgang in der Serengeti und dann – warten, hoffen und bangen. Die Sonne stand schon sehr hoch, als wir uns mit Daniel als Eskorte ins Dorf aufmachten, um Philipp zu suchen. Wir fanden ihn zwei Kilometer außerhalb, inmitten einer Crew von Mechanikern, verzweifelt über den Motorraum seines Wagens gebeugt. Noch immer gab der Peugeot keinen Mucks von sich. Deprimiert setzten wir uns unter einen Baum und überlegten, was zu tun sei.

Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, als plötzlich Bewegung in die Crew kam. Hektisches Treiben folgte, ein Wagen fuhr weg und kam einige Miauten später zurück. Der Fahrer brachte ein faustgroßes Ersatzteil, welches man eilig montierte. Atemlose Stille, der Zündschlüssel wurde herumgedreht – endlich hörten wir den Motor brummen. Die Verhandlungen mit dem Chefmechaniker über die Entlohnung dauerte noch eine Weile, dann konnte es losgehen.

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Massai Mara National Park

Inzwischen war es zwei Uhr, ein paar Stunden blieben noch, um den Park weiter zu erkunden. John, der Massai, bot sich an, als Führer mitzukommen. Wir wissen nicht, wie er es machte, aber überall, wo er uns hinlotste, waren auch Tiere zu sehen. Gnus, Zebras, Antilopen und Springböcken kann man ohnehin kaum ausweichen, aber er zeigte uns, wo die Flusspferde zu finden sind, kleinere Elefantenherden, Giraffen, Löwen, Büffel, Affen und sogar einen Leoparden bekamen wir zu Gesicht. Eine Riesenpython huschte vor uns über den Weg, irgendwann fuhren wir auf eine Anhöhe, von der man die große Weite des Massai Mara überschauen konnte. Ein unvergesslicher Ausblick!!!

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Ein Safaribus mit ungefähr einem Dutzend Touristen parkte vor einem Gebüsch. Wir näherten uns, da wir wussten, dort gab es etwas zu sehen. Und tatsächlich lagen zwei Löwinnen unter den Büschen und dösten. Nur wenige Sekunden nach unserer Ankunft hatte die gesamte Gruppe den Blick von den Löwendamen abgewandt, Photokameras und Videogeräte fokussierten nun unser kleines, antikes Rostvehikel mit dem Massai auf dem Beifahrersitz und uns beiden dahinter. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir uns nicht bewusst darüber gewesen, wie unterhaltsam unsere Privat-Safari auf Pauschaltouristen wirken würde.

Löwinnen sahen wir an diesem Nachmittag noch mehr als genug. Eine davon lag nur wenige Meter neben dem Weg, wir öffneten das Fenster so weit, dass wir heraus fotografieren konnten.

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Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kehrten wir  zum Campingplatz zurück und beauftragten Daniel, uns ein Huhn zu besorgen. Wir hatten eine Menge Essensvorräte mitgenommen und luden die Massai zum gemeinsamen Abendessen ein. Gemüse wurde geschnippelt und gewaschen, bevor Daniel mit dem Huhn zurückkam. Noch bevor ich Freundschaft mit dem todgeweihten Huhn schließen konnte, entführte Philipp es hinter ein Gebüsch und brachte es kurze Zeit später in zwei Teilen zurück. Philipp bestand darauf, die Mahlzeit kenianisch zuzubereiten und das ganze Huhn landete mit dem Gemüse in einem übergroßen Topf, nachdem er es gerupft hatte. Andreas Aussage, dass der noch nie in seinem Leben ein Tier geschlachtet habe, wirkte sehr erheiternd auf die Massai, die das Töten von Tieren als Sport betreiben.

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Als wahre Weltmeister im Essen erwies sich ein Massai an diesem Abend. Nachdem die Gruppe das etwas zähe Federvieh, Gemüse und Reis zum Teil vertilgt hatte, wurde der üppige Rest der mangels Platz auf einem pizzagroßen Teller wieder in den Topf zurückgeworfen. William, der etwas später zur Gruppe gestoßen war, wurde der Rest angeboten. Erzählungen am nächsten Morgen zur Folge soll der zwei Stunden lang gemampft und den Topf bis auf den letzten Reiskorn geleert haben. Wir haben keinen Beweis dafür, da wir zu diesem Zeitpunkt schon schliefen, allerdings gibt es kaum Zweifel an der Richtigkeit der Geschichte, denn wir haben in der ganzen Zeit in Kenia nicht einen Menscheln gesehen, der Essen wegwarf. Wir schätzen, dass William ungefähr das Sechsfache von dem gegessen hatte, was wir gegessen hatten. Unvorstellbar, denn der Massai hatte nicht einen Gramm Fett zuviel auf den Rippen.

Beim Frühstück beseitigten die Massai die letzten Zweifel an ihrer Essfreudigkeit. Nicht weniger als zwei Toastbrote mit Erdnussbutter landeten in den Mägen der Savannenkrieger, während wir nach drei Scheiben bereits genug hatten. Wir freuten uns über den Appetit unserer netten Gastgeber und verließen den Campingplatz nicht ohne einige Photos von unseren neuen Freunden geschossen zu haben.

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Nach einer weiteren Safari durch den Park, bei dem wir einen männlichen Löwen so lange verfolgten, bis wir seine Spur verloren hatten, ging es am Mittag auf den Heimweg.

Ein ereignisreiches Wochenende, mit Eindrücken, die wir wohl ein ganzes Leben nicht vergessen werden. Zwar auch mit Pannen, aber die gehören zum kenianischen Alltag, wie das Salz zum Meer.

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