Sonntag, Mai 16, 2021
Barfuss-zum-Mond

Mit dem Fahrrad durch Kambodscha bis ins Mekong Delta 3 – Vietnam

Vietnam

2.1.17 Langsamer Aufbruch
Schön ausgeschlafen und im Guesthouse gechillt bis fast abends. Kurz vor Sonnenuntergang sind Dirk und ich in die Stadt geradelt (Von ist nachmittags nach Kep gefahren) und zwischen Shake- Mausi, Suppenküchen und Supermarkt hin- und hergetingelt. Bilanz: 4 Shakes pro Nase, einen verrückten Schweden rumschreien gehört, unseren Blog gelesen und ergänzt.

 
Am nächsten Tag wollen wir mal nach Kep aufbrechen. Wir erwägen auch nach Rabbit Island überzusetzen, um dort ein paar Tage zu verbringen. In uns war in den letzten Tagen die vage Vorstellung gereift, die Radtour in Kambodschas Hauptstadt zu beenden. Frühesten Falls würden wir am kommenden Wochenende den Zug nach Phnom Penh nehmen. Somit haben wir noch massig Zeit.
 
 

 

3.1.17 Ein Ausflug mit Tragweite

 
Ein ereignisreicher Tag! Auf dem Weg nach Kep wurden mir die Haare vom Hals gekratzt (bei einem Barber am Straßenrand, Seife oder Rasierschaum kannte er anscheinend nicht). Als nächstes machten wir uns ernsthaft und konstruktiv Gedanken wie wir die restliche Urlaubszeit verbringen wollen. Wenn wir den Zug nach Phnom Penh  nehmen, müssten wir eigentlich in der Gegend bleiben (zwischen Kampot und Phnom Penh hält der Zug nach unseren Informationen nicht). Mit dem Rad nach Phnom Penh ist eine reizlose Strecke, wir erinnern uns an den Highway vor Sihanoukville. Wir machen Rast am Ortsanfang von Kep und loten unsere Optionen aus. Dabei treffen wir Markus, einen Frankfurter, der seit 2 Jahren mit seiner Frau (Khmer) und seinem Sohn in Kep lebt, bereits 2 Häuser zum Vermieten gebaut hat und ein Restaurant am Crab Market betreibt. Sehr gechillter Kerl, soviel Umtriebigkeit würde man ihm auf den ersten Blick gar nicht zutrauen.
Wir radeln weiter und treffen Verena, die seit 9 Monaten mit dem Rad unterwegs ist. Gestartet ist sie in Österreich und kam gerade aus Vietnam nach Kambodscha. Sie empfiehlt uns das Mekong Delta als beradelnswert. Darüber hinaus kennt sie in Saigon / Ho Chi Min City einen Schweden, der evtl. Interesse an meinem Rad hätte. Die Entscheidung fällt ohne weiteres Zögern: wir fahren nach Vietnam!
 
Am Strand treffen wir Von und eine Deutsche, die wir am chaotischen französisch-spanisch-thailändischen Burgerstand in Kampot schon mal gesehen haben. Sie hat die Burger angeblich besser vertragen und ist ganz angefressen von der Reiserei. Sie überlegt sich gerade von unterwegs als Korrektorin und Übersetzerin zu arbeiten und nebenher die Welt zu erkunden.
 
Abends fahre ich mit Von auf meinem Rad durch den extrem weitläufigen Ort (zu Fuß wäre das eine Nachtfüllende Tour), essen gegrillten Fisch und baden nachts im Meer. Ab 21:30 ist der Ort so gut wie ausgestorben.
 
 

 

4.1.17 Aufbruchsstimmung
Es geht weiter! Wir brechen einigermaßen zeitig auf, um an die Vietnamesische Grenze zu kommen. Auf dem Weg geben wir unsere letzten Riel für Früchte auf dem Markt, Kaffee und belegte Baguettes aus. Der Weg bis zur Grenze ist eine schöne und wenig befahrene Strecke und der Grenzübertritt angenehm unkompliziert: Den halbherzigen Versuch eines „Zöllners“ uns 1$ fürs „Fiebermessen“ abzunehmen können wir mit einfachem Kopfschütteln abwehren. Auf den ersten Metern auf Vietnamesischem Boden kommt euphorische Stimmung auf, die Reise geht weiter!

Wir übernachten im Grenzort Ha Tien. Hier ist es wesentlich belebter als in Kampot, irgendwie sauberer, allerdings scheinen die Menschen auf den ersten Blick etwas missmutiger zu sein.. sie lächeln weniger. Wir haben die üblichen Probleme beim betreten eines neuen Lands: wir kennen weder Währung noch Preise und die Sprache ist uns ein Rätsel… Wir bekommen für 25.000 Dong eine Suppe an einem Straßenrand und kaufen auf dem Markt ein paar Geschenke für zuhause – irgendwie muss man sich ja in der neuen Umgebung einleben. Den Abend beschließen wir bei Karaoke- Beschallung in der Familien- Eisdiele eine Fahrrad- Bastlers und schreiben an unserem Tagebuch.
 
 

 

5.1.17 Aufregung um eine rosa Tüte
Gegen 10 aufgewacht, Sachen gepackt und losgeradelt um erst mal Frühstück zu suchen. Am Ende aßen wir gutes Tofu mit Reis in einem vegetarischen Restaurant. Danach  gabs Gebäck vom Straßenstand und Kaffee bei der Oma um die Ecke, dann erfolgte der Aufbruch nach Osten (12:17 Uhr). Auf der Brücke Ortsauswärts fällt Dirk auf, dass seine rosa Plastiktüte mit Handy und Tagesutensilien nicht mehr im Fahrradkorb am Lenker liegt! Also umkehren und Stationen abklappern. Bei der Tofu- Lady werden wir fündig und Dirk hat sein Handtäschchen wieder =).

 
Wir fahren auf dem Highway, uns stört das Gehupe der anderen Verkehrsteilnehmer. Im Vergleich zu Kambodscha sind kaum LKWs / Autos unterwegs aber wesentlich mehr Fahrräder, Mopeds und Schwerlastmotorräder. Wegen eines kurzen Regengusses halten wir an einer Straßenküche, kurz danach machen wir eine Tempelbesichtigung während eines weiteren Schauers. Bei Sonnenschein fahren wir weiter bis Kien Luong und quartieren uns in einem 5$ Hotel ein. Abendprogramm: Ortsbesichtigung (wesentlich weniger Touristen als in Ha Tien) und Abendessen bei BBQ und Tiger- Bia (Vietnamesisch für Bier).
 
 

 

6.1.17 In Vietnam der Liebe wegen
Wir verlassen unser Hotel und frühstücken für kleines Geld auf dem Markt eine Riesenportion Reis mit Fleisch und Gemüse mit Suppe und Eistee. Danach brechen wir auf, um auf einer Nebenstraße nach Süden zu radeln. Die Strecke führt vorbei an einem Holcim Zementwerk, das die umliegenden Berge abträgt. Die Landschaft kommt uns irgendwie vertraut vor, wir können allerdings noch nicht sagen woher…

 

In Binh An trinken wir einen Zuckerrohr- / Orangensaft am Markt und werden – als wir weiter fahren wollen – zu Mike dirigiert, einem Fischkopf im nordschweizer Exil der gerade mit seiner vietnamesichen Frau bei der Familie Urlaub macht und den Papierkram für die Anerkennung ihrer Ehe in der Schweiz erledigen möchte. Wir quatschen uns fest und bleiben über Nacht im Anwesen der Familie (einem Gebäudekomplex am Markt mit integriertem Hotel). Wir kaufen zusammen auf dem Markt ein, kochen gemeinsam und werden von der Cousine der Frau auf einen Kaffee im Ort eingeladen und mit frischen Obst versorgt. Mike ist ein sehr unterhaltsamer Typ, er ist sichtlich froh über deutschsprachige Gesellschaft und genießt die gemeinsame Zeit.
 

 

 

7.1.17 Die schmalen Wege im Mekong Delta
Das von Mike am Vorabend versprochene Frühstück fällt leider aus, dafür gehen wir bei Gang (ebenfalls ein Mitglied der vietnamesischen Familie) im Lebensmittelladen Spagetti Bolognese und Reis mit Grillfleisch essen. Super lecker, der Versuch den PC im Laden wieder zum Leben zu erwecken scheitert allerdings an der fehlenden Erdung des Gehäuses (steht permanent unter Strom, auf Dauer scheint das die Festplatte gekillt zu haben). Leider kann ich die Erdung auch nicht anschließen, da zum Haus lediglich Phase und Nullleiter gelegt sind. Einen Schutzleiter kennen vietnamesische Elektriker anscheinend nicht. Kurz nach 13 Uhr fahren wir los, vor uns liegen ca. 30km auf kleinen Wegen an Kanälen entlang, Eine Hammer Tour. Man fühlt sich hineinversetzt in die Szenerien von Rambo, Good Morning Vietnam, Full Metal Jacket  oder Platoon. Es fehlt lediglich der Hubschrauber, der im Reisfeld landet, um versprengte GI’s aufzunehmen!

Abends müssen wir ein paar hunder Meter auf dem Highway fahren und sterben fast vor Stress. Gehupe und verrückter Verkehr, dass man fast ausrastet. Wir essen in fragwürdiger Gesellschaft eine Suppe und erkundigen uns nach einem Hotel (campen geht fast gar nicht, die Gegend ist sehr dicht besiedelt und wir haben Bock auf was gemütliches mit Dusche). Wir landen in einen schmutzigen Stundenhotel, dessen Badezimmer aussieht wie das Filmset von „Saw“.

 

8.1.17 Der lange Weg nach Oc Eo
Wir wachen beide vor 8 Uhr auf und verspüren den Drang schnell aufzubrechen. Das liegt nicht nur an dem Mief in unserem Zimmer, sondern auch an der Erfahrung vom Vorabend: wir waren noch kurz draußen um uns umzusehen und sind in der Trucker Kneipe gegenüber gelandet. Wir „bestellten“ eine Cola und bekamen obendrauf eine Wassersuppe, eine Schüssel Reis und einen kleinen Teller Knochen. Dafür sollten wir am Ende 100.000 Dong zahlen, was uns arg übertrieben und ganz schön frech vorkam. Wir zahlten 50.000 und verließen das Lokal. Kurz darauf stand die Köchin schreiend vor unserem Zimmer. Am Ende musste sie allerdings einsehen, dass wir nicht bereit waren mehr für ihr Essen auszugeben.

Also waren wir endlich einmal früh unterwegs! Das wurde schon nach wenigen Kilometern mit einem kurzen Kaffeestopp und kurze Zeit später mit einer Suppe ausgiebig kulinarisch gefeiert. Um 12 haben wir bereits fast 40 km runter und feiern das wiederum mit mehreren Versorgungsstopps: Zuckerrohrsaft, Fruchtshakes (in Vietnam eine seltene Gelegenheit, da muss man zuschlagen!), Kaffee sua da (schwarzer Mocca- Kaffee mit süßer Kondensmilch), Gebäck bzw. frittierte Bananen, Baguettes, Waffeln und nochmal Kaffee sua da.

Abends um 5 kommen wir in Oc Eo an und finden ein „Karaoke Guesthouse“ für 60.000 Dong. Dirk bekommt direkt 4 Schnäpse und Hundefleischeintopf von unseren Zimmernachbarn als er das WLAN Passwort erfragt. Ich für meinen Teil freue mich über eine Dusche und Wasser zum Wäschewaschen. Nach Erledigung der Haushaltsarbeiten landen wir wieder bei unseren Schnappsnachbarn und verbringen den Abend dort. Das Hundefleisch stellt sich doch als Rind heraus und wir werden Zeuge, dass nicht alle AsiatINNEN keinen Alkohol vertragen.

 

 

9.1.17 Ankunft in Long Xuyen
Nach dem Aufstehen bezahlen wir unser Zimmer und frühstücken nochmal für 70.000 Dong. Losgeradelt wird kurz nach 11, mitten in der Rushhour der Schulkinder. Den Tag über radeln wir 40 km mit wenigen Stopps für Zuckersaft und die Besichtigung eines chinesischen Anwesens an der Hauptstraße.

Abends begeben wir uns in Long Xuyen auf Hotelsuche und erhalten Hilfe von einer sehr netten Pfandleiherin und ihrem israelischen Freund. Halbwahrheit des Tages: Ausländer dürfen nicht in günstigen Guesthouses absteigen, sondern müssen die teuren Hotels – das ist von der Regierung so vorgegeben. Wir bedanken uns für die Unterstützung und finden eine günstige Absteige. Abendprogramm: Suppe an einer Straßenecke mit sehr nettem Personal, das so begeistert von uns ist dass wir mehrfach fotografiert werden. Den Abend beschließen wir auf dem Glücksspielmarkt bei einem leckeren Kaffee sua da.

 

10.1.17 City life Begins

Nach einem sehr leckeren Frühstück (Reis mit Wassersuppe und Hühnerbeinen / Fisch und Speck / Schweinefleisch mit Fischgeschmack / Bohnen) radeln wir durch die Stadt zum Busunternehmen und kaufen Tickets für uns inklusive Fahrrädern (Xe dap) nach Saigon. Preis: 130.000 Dong pro Nase und nochmal 100.000 Dong je Fahrrad. Danach weiter die Stadt erkundet, Mützen auf dem Markt gekauft, Schuhe auf der Straße angeschaut, frittierte Bällchen mit Banane gegessen und zum Glücksspielmarkt vom Vorabend geradelt, um einen Kaffee sua da als Frappee zu testen – zum Erstaunen der Standbetreiberin. Die Zeit bis zur Abfahrt nach Saigon vertreiben wir uns mit einer weiteren Suppe an dem Stand vom Vorabend und Erledigung von Emails am Kaffestand. Der Bus fährt fast pünktlich ab und wir passen sogar in die Sitze!

 

11.1.17 Stadtverkehr für Fortgeschrittene
Wir werden morgens um 4:37 Uhr geweckt und auf die Straße geworfen – willkommen in Saigon! Angenehm an dieser frühen Stunde: wir können sehr entspannt durch die Stadt radeln. Unser Ziel: eine halbfertige oder auch halbverlassene Hochhaussiedlung am Stadtrand, von der wir denken dass dort Carl, der potentielle Käufer unserer Fahrräder, wohnt. Nach einem Frühstück in der Siedlung finden wir heraus, dass die gesuchte Adresse nur etwa 5 km entfernt liegt, wesentlich näher am Stadtzentrum. Inzwischen ist kurz vor 9 und der Verkehr hat stark zugenommen. Wir kommen allerdings erstaunlich gut damit zurecht und finden im 2. Anlauf Carls Haus auch ohne weitere Probleme.

Carl ist ein wahnsinnig netter Mensch; ursprünglich stammt er aus Schweden, hat einige Zeit in Berlin gelebt und ist seit 4 Jahren in Saigon. Er hat während einer Reise entschieden vorerst nicht mehr nach Hause zurückzukehren, arbeitet als Webentwickler und braut hobbymäßig Cider (Maracuja und Hibiskus), den er uns auch zum Probieren anbietet. Über mein Fahrrad freut er sich und kauft es inklusive der Packtaschen ohne Probefahrt oder Preisverhandlungen. Als wir uns sein bisheriges Rad ansehen (ein 26“ Mountainbike, das gefühlte 20kg wiegt und mit billigsten China- Komponenten ausgestattet ist), sind wir allerdings überzeugt, dass er mit dem Kauf sein Equipment  um einige Klassen verbessert hat. Wir lassen unsere Zelte und Dirks Fahrrad bei Carl im Haus, um die Sachen entweder bei Gelegenheit abzuholen oder von Carl verkaufen zu lassen, falls Interessenten auftauchen.

 

Anschließend waschen wir unsere Klamotten, schrubben den Dreck von unseren Packtaschen und fahren in die Stadt um am Saigon Square Klamotten zu kaufen. Hocherfreut über die sehr gute Qualität, müssen wir allerdings feststellen, dass wir bei Preisverhandlungen keine großen Erfolge erzielen.
Abends gehen wir mit Carl und seiner Freundin essen. Als wir die Rechnung übernehmen wollen müssen wir allerdings feststellen, dass wir nicht mehr genug Geld dabei haben und Kartenzahlung nicht möglich ist. Wir leihen uns also das Geld von Carl.

 

12.1.17 Der letzte Tag
Nach dem Aufstehen packen wir unsere Sachen und ein Mitbewohner von Carl kauft mir sogar noch meine ThermaRest ab. Ideal, so haben wir Dong, um Carl sein Geld zurück zu geben und ich habe weniger Gepäck! Nach einem letzten Frühstück in Vietnam fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Dort besteigen wir den Flieger nach Bangkok, um Andreas zu treffen und die gemeinsame Reise abzuschließen.

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