Donnerstag, März 23, 2023
Barfuss-zum-Mond

Wasserfälle von Iguazu…….. wenn die Natur die Muskeln spielen lässt……

Auf dem Weg in die Provinz Missiones, wo wir uns jetzt befinden, machten wir einen kurzen Stopp im Nationalpark Sierra de las Quijadas, wo rote Felsen von Wind und Wetter zu bizarren Formationen ausgewaschen wurden. Die Canyons des Parks sind eine Fundgrube für Geologen und Paläontologen, auch heute werden dort immer noch einzigartige Fossilien entdeckt.

Der Rest der Woche bestand, wie eingangs beschrieben, aus Regen, Kilometerfressen, Gewitter, Pampa und noch mal Regen und Gewitter. Bei dem vielen Regen ist uns die Lust aufs Zelten erstmal gründlich vergangen, denn nachts von Regentropfen, die einem über das Gesicht rollen, geweckt zu werden ist nicht immer eine Freude. Dem Wasserdruck der Wolkenbrüche in diesen Tagen hält wohl auch kaum ein Zelt stand.

In San Ignazio hatten wir Glück, für wenige Peso konnten wir in einer kleinen Cabaña des Guesthouses „Hospedaje El Descanso“ unterkommen. Hier war das eigentlich Interessanteste die Eigentümer. Obwohl sie bereits die 4. Generation sind, die in Südamerika leben, sprechen sie immer noch die deutsche Sprache, perfekt.

Das am häufigsten besuchte Ziel in San Ignazio ist die Jesuiten-Reduktion San Ignazio Mini. Die ersten Europäer, die in der Provinz Missiones siedelten, waren Jesuiten. Sie kamen zu Beginn des 17. Jhd. und gründeten Ansiedlungen – Reduktionen genannt. In San Ignazio Mini lebten damals 4000 Menschen – überwiegend Indios. Nach der Vertreibung der Jesuitenmissionare verfiel die Siedlung recht schnell und wurde von Urwald überwuchert. Heute ist San Ignazio Mini die besterhaltene und -restaurierte Reduktion in einer grenzüberschreitenden Region mit über 30 Missionsruinen. Neben weiteren Reduktionen in der unmittelbaren Nähe San Ignazios in Argentinien findet man auch im südlichen Paraguay und im Norden Uruguays Spuren jesuitischer Ansiedlungen. Obwohl die Besichtigung der Ruinen nicht mehr als ein paar Stunden dauerte, blieben wir drei Tage in San Ignazio. Die Erholung hatten wir dringend nötig.

Am Montag quetschte sich Elke, eine in der Nähe von Maastricht wohnende Belgierin mit ihrem Riesen-Rucksack auf die enge Rückbank unseres Wagens. Gemeinsam fuhren wir zum 250 km entfernten Ort Puerto Iguazu. Der Ort hat außer seiner Nähe zu den Iguazu Falls, für die wir den weiten Weg auf uns genommen hatten – herzlich wenig zu bieten.

Iguazu Falls

In unserem Reiseführer steht geschrieben: „Geht so früh wie möglich, denn der große Ansturm beginnt erst um 10 Uhr. Auf die Weise könnt ihr die Wasserfälle in aller Ruhe genießen. Anscheinend hatte wohl jeder dieser Tipp bekommen (oder alle haben denselben Reiseführer), denn wir fanden uns eingequetscht inmitten einer Traube von Menschen wieder, die genauso wie wir den Weg vom Eingang 3/4 des Weges zum Teufelsrachen, der Hauptattraktion, mit dem kleinen Zug zurücklegen wollten. Von Ruhe und Idylle war nichts zu bemerken. Ganze Gruppen mit nummerierten Hundemarken oder gelben „Luchi-Aufklebern“* – je nach Zugehörigkeit zu welcher Tourgruppe, stürmten gleichzeitig den 1.100 Meter langen und nur 3,5 Meter breiten Steg von der Endstation des Zuges ihrem Ziel entgegen.

* Wer ist Luchi???

Hatte man sich auf der Aussichtsplattform einen Platz am Geländer erkämpft, vergaß man alles um sich herum. Das alles war mehr als nur atemberaubend. Unser Reiseführer beschreibt den Teufelsrachen wie folgt:

„Der Name ist passend gewählt. Plötzlich stürzt das eben noch ruhig dahinströmende, nicht sehr tiefe Wasser in einen tobenden, an drei Seiten geschlossenen Kessel. Das Wasser scheint alles mitreißen zu wollen, was sich in den Weg stellt, der Wind treibt die Gischt hoch, Sturmschwalben jagen vorbei, in Windeseile ist man durchnässt.“

Die Beschreibung trifft absolut zu und bedarf keiner Ergänzung!!!

Nach einigen Minuten sind wir wieder im Hier und Jetzt, denn Menschen beschweren sich, dass wir gerade an der Stelle stehen, an der sie sich unbedingt von einem der auf Leitern stehenden Fotographen mit dem Wasserfall im Hintergrund ablichten lassen müssen. Der Teufelsschlund ist nicht die einzige Attraktion im Nationalpark. Wanderwege und Stege führen zu vielen Aussichtspunkten. Überall sieht man Wasserfälle. Ca. 275 Einzelfälle stürzen auf einer Breite von 2.700 Metern zwischen 57 m und 72 m in zwei Stufen in die Tiefe. Den Nationalpark kann man auf argentinischer Seite, aber auch hinter der Grenze in Brasilien besuchen. Ursache des Naturspektakels ist, das der Rio Iguazu in Südbrasilien über ein hoch gelegenes Basaltplateau fließt, dass an dieser Stelle plötzlich abbricht.

In den 8 Stunden, die wir bei den Wasserfällen verbrachten, waren wir leider immer wieder von großen Menschenscharen umgeben. Gerade in diesen Tagen ist der Ansturm besonders groß, weil wir uns in der Karwoche befinden und auch viele Einheimische ihren Urlaub hier verbringen.

Da fehlen uns die Worte – Der Teufelsschlund

Buenos Aires, 14.4.2004

Wir hatten geplant, auf dem Rückweg nach Buenos Aires nach ca. 2/3 der Strecke einen 2-3-taegigen Stopp im N.P. Los Palmas einzulegen. Doch auch hier kam uns die Karwoche in die Quere. Vor dem Eingang stand bereits eine Autokolonne. Eine junge Frau erklärte uns, dass wir den Park gerne für einen Tag besuchen dürften, Camping jedoch wegen Überfüllung nicht mehr möglich sei. So blieb uns nichts anderes übrig, als bereits am nächsten Tag, einem Samstag, in die Hauptstadt zurückzufahren. Hier hieß es noch einmal gut schwitzen, bis wir dann gesund und ohne Blechschaden mit Chico das Hotel erreichten. Auf einer 5-spurigen Strasse werden mühelos sieben Spuren geschaffen. Aus allen Richtungen werden wir überholt und geschnitten. Verkehrschaos a la Südamerika – als Europäer sollte man in Buenos Aires nicht unbedingt mehr als notwendig mit dem Auto fahren.

Letzten Montag trennten wir uns nach 13.700 km und genau zwei Monaten von Chico.

Zum Abschluss unserer Zeit in Argentinien können wir sagen, dass es ein Land mit großen Highlights ist. Es gab unvergessliche Momente an einzigartigen Naturwundern, die für die schonmal etwas nervzehrenden Fahrten durch Einöde und Pampa reichhaltig entschädigten. Für uns ist es die einzig richtige Art des Reisens, Fliegen von einem Punkt zum nächsten, obwohl es unterm Strich günstiger gewesen wäre, kam zu keiner Zeit für uns in Frage. Jemand, der nur fliegt, kann sich am Ende kaum ein Urteil über das Land bilden, denn er hat nur die Höhepunkte gesehen.

Nun freuen wir uns auf das Neue, was kommt. Unser Plan ist es, durch Paraguay ins brasilianische Pantanal und von dort aus weiter nach Bolivien, Peru und (vielleicht) Ecuador zu reisen. Es wird sicherlich wieder eine große Umstellung sein, alle paar Tage den Rucksack wieder zu packen und aufzuziehen, statt einfach nur den Zündschlüssel umzudrehen.

Also bis neulich.

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